Viele Hundehalter wundern sich, wie viel ihr Hund schläft. Kaum ist die Gassirunde vorbei, liegt er wieder auf seinem Platz. Gerade bei einem ansonsten gesunden Hund entsteht schnell der Eindruck: Der schläft doch den halben Tag. Tatsächlich ist das ziemlich normal.
Ein erwachsener Hund kommt häufig auf etwa 12 bis 14 Stunden Schlaf am Tag. Dazu kommen Zeiten, in denen er zwar nicht schläft, aber ruhig liegt und döst. Welpen und ältere Hunde brauchen meist noch deutlich mehr Schlaf. Bei Welpen können es 18 bis 20 Stunden sein. Wie viel ein einzelner Hund tatsächlich braucht, hängt aber unter anderem von Alter, Gesundheit, Aktivität und dem individuellen Hund ab.
Schlafen, dösen und einfach mal nichts tun
Wenn wir über Ruhe beim Hund sprechen, sollten wir nicht nur die Stunden zählen, in denen er tatsächlich tief schläft. Auch Dösen und entspanntes Herumliegen gehören dazu.
Hunde verteilen ihre Ruhephasen anders über den Tag als wir Menschen. Sie schlafen nachts, legen aber zusätzlich tagsüber immer wieder Pausen ein. Untersuchungen zeigen außerdem, dass Schlaf und Ruhe nicht dasselbe sind: Ein Hund kann einen erheblichen Teil des Tages inaktiv verbringen, ohne tatsächlich zu schlafen.
Genau deshalb halte ich wenig davon, sich an einer bestimmten Stundenzahl festzubeißen. Die kann eine Orientierung sein, mehr aber auch nicht. Wichtiger ist die Frage, ob der Hund im Alltag überhaupt die Möglichkeit hat, ungestört zur Ruhe zu kommen.
Ruhe muss ein Hund auch bekommen können
Ein Hund, der im Körbchen liegt, ruht nicht zwangsläufig wirklich. Wenn ständig jemand an ihm vorbeiläuft, Kinder ihn ansprechen, der Fernseher läuft oder er jedes Geräusch im Treppenhaus kontrolliert, kann er zwar körperlich herumliegen und trotzdem ständig auf Empfang sein.
Ein guter Ruheplatz muss deshalb nicht besonders teuer oder ausgefallen sein. Er sollte vor allem so liegen, dass der Hund dort tatsächlich abschalten kann. Manche Hunde suchen sich diesen Platz selbst. Andere liegen bevorzugt mitten im Geschehen und schaffen es dann kaum, wirklich abzuschalten.
Das sehe ich auch bei Hundegruppen: Aktivität ist nur die eine Seite. Genauso wichtig ist, dass Hunde zwischendurch nicht ständig miteinander beschäftigt sind. Ruhe in einer Gruppe bedeutet nicht, dass nichts passiert. Sie gehört ganz selbstverständlich zu einem vernünftigen Tagesablauf.
Dass ausreichende Ruhe für das Wohlbefinden eine Rolle spielt, zeigen auch Untersuchungen an Hunden in Tierheimen. Dort wurde mehr Ruhe am Tag unter anderem mit entspannterem Verhalten in Verbindung gebracht.
Mehr Beschäftigung ist nicht automatisch besser
Wir machen uns viele Gedanken darüber, ob ein Hund genug Bewegung und Beschäftigung bekommt. Das ist grundsätzlich richtig. Man kann es aber auch übertreiben.
Morgens eine große Runde, anschließend Suchspiele, mittags Beschäftigung, nachmittags Hundekontakte und abends vielleicht noch Training: Was gut gemeint ist, kann für einen Hund schlicht zu viel sein.
Vor allem Hunde, die schnell auf Umweltreize reagieren, brauchen Zeit, um Erlebtes wieder zu verarbeiten. Nach einer aufregenden Gassirunde muss deshalb nicht gleich das nächste Programm folgen. Manchmal ist das Sinnvollste tatsächlich: nichts.
Das gilt übrigens auch nach einem Tag mit vielen Hundekontakten. Ein Hund kann körperlich kaum etwas Spektakuläres geleistet haben und trotzdem müde sein. Soziale Interaktion, neue Gerüche, Geräusche und das Beobachten anderer Hunde sind ebenfalls Beschäftigung.
Woran erkenne ich, ob mein Hund genug Ruhe bekommt?
Ein Hund sollte grundsätzlich in der Lage sein, sich hinzulegen und tatsächlich abzuschalten. Er muss nicht ständig hinter seinem Menschen herlaufen oder bei jedem Geräusch aufspringen.
Dabei gibt es natürlich große individuelle Unterschiede. Der eine Hund schläft tief und lässt sich kaum stören. Der andere hebt bei jedem Geräusch kurz den Kopf und döst anschließend weiter. Deshalb sollte man seinen eigenen Hund beobachten und nicht ständig mit anderen vergleichen.
Interessant wird es vor allem, wenn sich etwas deutlich verändert. Schläft ein Hund plötzlich wesentlich mehr als sonst, wirkt ungewöhnlich schlapp oder verändert sich sein Schlafverhalten ohne erkennbaren Grund, sollte man das nicht einfach als erhöhten Ruhebedarf abtun. Veränderungen können auch gesundheitliche Ursachen haben und gehören im Zweifel tierärztlich abgeklärt.
Ruhe gehört zum Alltag
Ein Hund braucht Bewegung, Sozialkontakte und Beschäftigung. Er braucht aber genauso Zeiten, in denen niemand etwas von ihm möchte.
Das klingt selbstverständlich, geht im Alltag aber schnell unter. Gerade weil wir unseren Hunden etwas bieten wollen, entsteht leicht ein Tagesprogramm, das voller ist als nötig.
Deshalb würde ich weniger auf eine vermeintlich perfekte Zahl schauen. 12 bis 14 Stunden Schlaf bei einem erwachsenen Hund sind eine brauchbare Orientierung. Entscheidend ist aber, dass zusätzlich ausreichend echte Ruhe möglich ist.
Wenn der Hund nach einer guten Gassirunde zufrieden auf seinem Platz verschwindet und erst einmal schläft, muss man ihn nicht beschäftigen, weil er vermeintlich Langeweile haben könnte. Vielleicht macht er gerade genau das, was er braucht.

